Geschichten über Antisemitismus und den Holocaust für Grundschulkinder sind rar, ist es doch ein Thema, das in seiner Brutalität für Kinder in jungen Jahren kaum geeignet erscheint. Und dennoch ist es mit dem immer stärker aufkommenden Rassismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft wichtig, Kinder früh für diese Themen und die deutsche Vergangenheit zu sensibilisieren.

Ein Buch, dass sich dafür eignet, ist ein Comic für Kinder ab der 2. bis 3. Grundschulklasse, das uns die Geschichte von Peter und seiner Familie in Budapest während des 2. Weltkrieges erzählt. Eine Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und durch die geschichtliche Beschreibung des Holocaust in Ungarn, mit Worten zu und Bildern von dem echten Peter und seiner Familie am Ende des Buches unterstreicht und dadurch für Kinder noch greifbarer macht.

“Peter in Gefahr. Mut und Hoffnung im Zweiten Weltkrieg” von Helen Bate, übersetzt aus dem Englischen von Mirjam Pressler. Erschienen 2019 im Moritz Verlag. 48 S., ab 7 Jahren.

Eine Geschichte aus unserer Vergangenheit für Jüngere.

Am Anfang der Geschichte lernen wir Peter kennen; einen jüdischen Jungen, der zufrieden in einer intakten Familie lebt und Fußball und Kuchen liebt und natürlich auch hin und wieder Ärger oder Kummer hat. Ein normales Kinderleben eben! Doch die Sorgen seiner Eltern werden immer größer: Neue Gesetze machen jüdischen Menschen das Leben schwer und auch Rosa, die Haushaltshilfe, die Peter so sehr ins Herz geschlossen hat, darf nicht mehr für die Familie arbeiten.

Bei diesen ersten Einschnitten bleibt es aber nicht – Peter und seine Eltern müssen ihre Wohnung verlassen und in ein jüdisches Ghetto ziehen, was neben Verzicht und Enge auch Hunger mit sich bringt. Während immer mehr Juden abgeholt werden, können sich Peter, seine Mutter und die vom Land kommende Cousine Eva verstecken, erleben Bombenhagel im Keller und überleben diese Zeit mit viel Glück und durch die Hilfe Menschen, die sie vor Gefahren warnen. Allgegenwärtig sind für Peter in dieser schrecklichen Zeit, in der die Familie sich auch immer wieder trennen muss, großer Hunger, schreckliche Angst, Kälte und Langeweile.

Doch Peter erlebt auch Momente des Glücks, wenn er geliebte Menschen wieder in die Arme schließen kann oder zum Geburtstag ein Geschichtenbuch bekommt, dass in den Wochen im Keller während der Bombenangriffe etwas Abwechslung und Ablenkung schenkt. Als die Stadt von russischen Soldaten eingenommen wird, kann Peter mit seiner Familie nach Hause zurückkehren – ein Zuhause, das zerstört ist, abe dennoch Hoffnung auf eine Zukunft schenkt, auch wenn Peter vorübergehend aufs Land zu Rosa geschickt wird, wo er wieder Kind sein kann und keinen Hunger mehr leiden muss, statt auf den zerstörten Straßen Budapests sich die Zeit mit dem Suchen von Patronenhülsen zu vertreiben. Mit der Rückkehr zu seinen Eltern, der Rückkehr von Rosa in den Haushalt der Familie und die Geburt seines kleinen Bruders endet die Geschichte auf eine fröhliche und hoffnungsvolle Weise.

Auch schlimme Erfahrungen werden gezeigt, aber kindgerecht vermittelt…

Genau dieses Ende benötigen die Kinder der Zielgruppe, um mit den schrecklichen Erfahrungen Peters umgehen zu können. Die einfach Erzählstruktur und der ähnliche Aufbau der Seiten, auf denen sich kurze Texte aus der Ich-Perspektive und Comicbilder mit den klassischen Sprechblasen abwechseln, unterstützen die Möglichkeit, die Inhalte besser zu verstehen und verarbeiten zu können. Hilfreich ist auch, dass die Erzählung darauf verzichtet zu erklären, wohin jüdische Menschen deportiert worden sind, und das Tod und Brutalität nicht direkt in Bildern umgesetzt, sondern nur angedeutet werden. Dennoch transportiert die Geschichte ganz deutlich die Sorgen, Ängste und Schrecken der Menschen, ihre zunehmende Armut auf der Flucht, aber auch das glücklich Ende dieser furchtbaren Erfahrungen. Die Wahl, die Geschichte in Form eines Comics zu erzählen, der darüber hinaus auch in der Mimik und Gestik reduziert ist, schafft dabei eine gewisse, für jüngere Leser*innen hilfreiche Distanz und macht außerdem das Lesen der Texte besonders einfach und abwechslungsreich.

Das Kinder mit diesem Buch nicht allein gelassen werden sollten, versteht sich von selbst, denn es braucht Erwachsene, die Fragen beantworten und Gefühle auffangen können. Dieses Buch kann ein idealer Einstieg in ein ernstes Thema sein, Gesprächsanlässe bieten und einen Basis dafür schaffen, dass Kinder, die häufig schon hier und da Bruchstücke zu Judenverfolgung, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg aufgeschnappt haben, Fragen stellen können. Fragen, die heute zunehmend wieder wichtig werden, um Diskriminierung, Antisemitismus und Gewalt zu verhindern.

… und das hoffnungsvolle Ende hilft Kindern bei der Verarbeitung der Geschichte.

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Vielen Dank, lieber Moritz Verlag, für dieses kindgerechte Rezensionsexemplar – Werbung (Markennennung), unbezahlt und unbeauftragt

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