Und doch sind alle Äpfel rund. Was Judentum, Christentum und Islam gemeinsam haben. Eine besondere Familiengeschichte

Eine Familie – ganz unterschiedliche Personen. Natürlich sind nicht alle Menschen, nur weil sie zu derselben Familie gehören ähnlich. Sie unterscheiden sich: in ihrem Charakter, Alter, Aussehen und ihren Vorlieben. Und manchmal eben auch in Bezug auf ihr Verhältnis zu Gott, ihrem Glauben und ihrer Religion.

So ist es auch in der Familie, in der es in dem nun folgenden Buch geht. Denn alle die verschiedenen Familienmitglieder haben nicht nur unterschiedliche Augen- und Haarfarben, sondern auch verschiedene Hautfarben und Religionen. Da durchzublicken ist manchmal gar nicht so einfach, findet Jojo, der Ich-Erzähler in dem Bilderbuch, in dem es darum geht, wie eine Familie damit umgeht, wenn drei verschiedene Religionen, die jüdische, christliche und muslimische, aufeinandertreffen. Und das uns zeigt, dass diese drei abrahamistischen Glaubensrichtungen zwar einige Verschiedenheiten aufweisen, aber in vielen wesentlichen Elementen sehr ähnlich sind.

“Und doch sind alle Äpfel rund. Was Judentum, Christentum und Islam gemeinsam haben. Eine besondere Familiengeschichte” von Christine Hubka und Agi Ofner (Illustrationen). Erschienen 2021 im Tyrolia Verlag. 32 S., ab 7 Jahren.

Welche Religion ist die Beste? Keine, denn religiöse Vielfalt ist bereichernd!

Jojos Familie ist ein bunter Haufen: Neben ihrem jüdischen Opa und der evangelischen Oma gibt es noch ihre Mama, die mal evangelisch war, aber aus der Kirche ausgetreten ist, ihren Papa mit orthodoxem Glauben, Onkel Achmed, der Moslem ist, und ihre Schwester Lea, die katholisch werden möchte, wie Tante Ria.

Durch diese religiöse Vielfalt lernt Jojo viel über die Glaubensrichtungen in ihrer Familie: über die unterschiedlichen Heiligen Bücher, Gotteshäuser und Gottesdienst- oder Gebetsleiter*innen, die Namen von Gott, welche Gebetsrituale oder Speiseregeln es gibt, ob man sich ein Bild von Gott machen darf oder nicht und wie das mit den Kopfbedeckungen in den verschiedenen Religionen ist.

Neben all den Unterschieden existieren aber auch viele Gemeinsamkeit, denn die drei Religionen Judentum, Christum und Islam haben nicht nur denselben Ursprung, den uns die jüdisch-christlich-muslimische Geschichte von Abraham bzw. Ibrahim erzählt, sondern auch Rituale wie das Gebet oder Lebensfeiern, Staunen über die von Gott gemachte Schöpfung, feste Fastenzeiten und die rituelle Bedeutung des Elements Wasser. Auch in der Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, im Glauben Trost zu finden oder in der Unterstützung von Menschen in Not ähneln sich alle drei Glaubensrichtungen.

Auch Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Religion und warum es überhaupt verschiedene Religionen gibt, wird thematisiert. Ganz klar liegt der Fokus des Buches aber auf den drei abrahamistischen Religionen und darauf, dass bei all der religiöse Vielfalt in Bezug auf Namen, Orte, Rituale oder Festen die Gemeinsamkeiten und der Glaube an den einen Gott überwiegen. Toleranz und gegenseitiger Respekt geben der ganzen Geschichte, die mit ihren bunten, anschaulichen, aber niemals aufdringlichen Illustrationen die Schwerpunkte passend untermalen, einen Rahmen, der man in der Gesellschaft und dem alltäglichen Miteinander inzwischen immer häufiger vermisst.

Mit dieser bunten Familie bekommen wir gezeigt, welche Unterschiede …

Dieses Buch bieten eine wundervolle Grundlage, um sich über die Unterschiede der monotheistischen Religionen Gedanken zu machen, Ähnlichkeiten herauszufinden und über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Rituale und Regeln zu diskutieren. Deshalb sollten Kinder, egal welchen Alters, mit diesem Buch nicht allein gelassen werden. So können auch Fragen, unbekannte Begriffe und inhaltliche Unklarheiten gemeinsam gelöst werden. Dazu gehört, dass aber auch die mitlesenden Erwachsenen bereit sind, verschiedene Standpunkte einzunehmen, offen und tolerant sind sowie sich mit den Hintergründen der abrahmistischen Religionen und evtl. eigenem Unwissen auseinanderzusetzen. Mit Kindern und einem solchen Buch gemeinsam auf eine religiöse und spirituelle Forschungsreise zu gehen, kann nicht nur für das Kind spannend und die gemeinsame Beziehung bereichernd sein.

Einen Kritikpunkt, von dem ich hoffe, dass er in einer der nächsten Auflagen aufgenommen wird, bezieht sich auf die Erklärung, warum in manchen Religionen Schweinefleisch zu essen erlaubt ist, in anderen dagegen nicht, die aus meiner Sicht zu wenig auf die verschiedenen Gründe des Schweinefleischverbots eingeht. Hier würde ich mir vielseitigere Erklärungen wünschen, die damit auch besser den Hintergründen des Schweinefleischverzichts entsprechen.

Ein wundervolles Buch, dass Kindern und Erwachsenen zeigt, dass verschiedene Glaubensrichtungen und Unterschiede in den religiösen Praktiken kein Grund für Ablehnung, Hass oder Gewalt ist, sondern dass die drei Religionen Judentum, Christentum und Islam nicht nur einen gemeinsamen Ursprung haben und Gemeinsamkeiten aufweisen, sondern auch, dass durch die rituelle Unterschiede Vielfalt entsteht. Und genau diese Vielfalt unser aller Leben bereichert und nicht einschränkt. Ein ausgezeichnetes Plädoyer für mehr spirituellen Reichtum, Toleranz und ein religiöses Miteinander.

Ausgezeichnet als “Religiöses Buch des Monats November 2021” von der STUBE Wien.

… aber vor allem Gemeinsamkeiten Judentum, Christentum und Islam haben.

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Vielen Dank, lieber Tyrolia Verlag, für dieses bunte, religiöse Rezensionsexemplar – Werbung (Markennennung), unbezahlt und unbeauftragt

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