Über den Tellerrand

Ein Bildband, 52 Kinder, hunderte verschiedene Gerichte und Nahrungsmittel. In diesem farbenfrohen Buch portraitiert Gregg Segal Kinder auf der ganzen Welt und ihre Mahlzeiten, die sie eine Woche lang in einem extra Tagebuch dokumentiert haben und schafft so ein Zeitdokument über Lieblingsspeisen, Essgewohnheiten und kulturelle Vorlieben.

„Über den Tellerrand: Was Kinder hier und anderswo essen“ von Gregg Segal, übersetzt von Ebi Naumann. Erschienen 2020 im Gabriel Verlag. 120 S., ab 8 Jahren.

Auf je einer Doppelseite findet sich die Beschreibung des vorgestellten Kindes: wie das Kind heißt und wie alt es ist, wo und in welchen Familienverhältnissen es lebt, welche Hobbies, Berufswünsche und Vorlieben es hat und vor allem, wie es überwiegend ernährt und welche Essgewohnheiten es hat. Das ganzseitige farbenfrohe Foto des Kindes, das zwischen all seinen Mahlzeiten, die es eine Woche lang zu sich genommen hat, liegt, ist aus der Vogelperspektive aufgenommen und verknüpft dadurch ausdrucksstark das jeweilige Kind mit seinen Essgewohnheiten.

Beim Betrachten der Bilder kommt man unvermittelt ins Vergleichen: Wie unterscheiden sich die Essensmengen, die Art der Lebensmittel, die Mahlzeiten? Wieviel selbst zubereitete Gerichte gibt es und wieviel industriell hergestellte Nahrungsmittel? Es fällt auf, dass in einigen Ländern frische Lebensmittel einen großen Teil der Ernährung ausmachen, während in anderen Ländern verarbeitete Lebensmittel und Fast Food dominieren. Bestimmte Marken finden sich auf sehr vielen Bildern, so dass einem unmittelbar bewusst wird, welchen weitreichenden Einfluss Lebensmittelproduzenten mit den hergestellten Lebensmitteln haben. Sehr lesenswert sind auch das Vor- und Nachwort, die Informationen zu dem Projekt vermitteln und auf die verschiedenen Esskulturen der unterschiedlichen Länder und sozialen Ebenen aufmerksam machen sowie die Wirkung von Lebensmittel auf das körperliche Befinden thematisieren.

Ein ungewöhnlicher, eindrucksvoller Bildband über Esskulturen in aller Welt, der beim Betrachten dazu anregt, sich über seine eigenen Essgewohnheiten Gedanken zu machen und Neues auszuprobieren. Und der eine Perspektive dafür eröffnet, das wir trotz kulturell bedingter Nahrungsunterschiede oder aufgrund Gemeinsamkeiten bei der Ernährung, bedingt durch die Globalisierung und den Fast-Food-Boom, uns insgesamt nicht unterscheiden sind: Wir alle brauchen Lebensmittel und jeder Kultur hat ihre Eigenheiten und Unterschiede in der Ernährungsweise, die besonders, wertvoll und schätzenswert sind. Und wir sind alle verbunden in dem Wandel, dass natürliche, gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel immer mehr Mangelware sind, während die Menge an industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln stetig zunimmt.

„Ein amerikanisches Sprichwort lautet: ‚Dier Hand, die im Topf rührt, regiert die Welt.‘ Wenn die Hand, die im Topf rührt, aber mehr an Profit als an unserem Wohlbefinden interessiert ist, ist es höchste Zeit, auf gesünderen Angeboten zu bestehen. Noch besser ist es allerdings, wir versuchen, wann immer es geht, selbst den Kochlöffel in die Hand zu nehmen.“

„Über den Tellerrand“ (S. 118)

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Rezensionsexemplar – Werbung, da Markennennung – Bildrechte: Gabriel Verlag

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