Findefuchs

Berührend. Wunderschön. Zeitlos. Das ist die Geschichte vom „Findefuchs“, ein Kinderbuchklassiker für die ganze Familie, der einen warm ums Herz werden lässt. Denn der Findefuchs und seine Mutter zeigen uns, dass Liebe, Fürsorge und Nähe keine Fragen von „echter“ Verwandtschaft sind, sondern entstehen, wenn man sich füreinander entscheidet.

„Der Findefuchs. Wie der kleine Fuchs eine Mutter bekam“ von Irina Korschunow, mit Illustrationen von Reinhard Michl. Erschienen 1982 als Taschenbuch im dtv Verlag, 48 S. Als Bilderbuch erschienen im Thienemann Verlag, 36 S. Empfohlen ab 4 J.

Die einfühlsam erzählte Handlung der Geschichte nimmt kleine und große Leser*innen und Zuhörer*innen schnell für sich ein: Einsam und verängstigt ist das Fuchsjunge, das eine Füchsin auf ihrer Futtersuche findet. Mitleidsvoll kümmert sie sich um den kleinen Findefuchs. Lange kann sie nicht bleiben, denn sie muss nach Hause, zu ihren eigenen Kindern. Ohne Vorbehalte entscheidet sie sich aber dafür, den kleinen Fuchs mit nach Hause zu nehmen. Denn da sie sich um den kleinen Fuchs gekümmert, ihn gewärmt, ihm zu trinken gegeben hat, kann sie ihn nicht alleine lassen. Auf ihrem Weg zurück gerät die Füchsin in Gefahr, doch sie trennt sich nicht von ihrem Findelkind, überlässt es nicht seinem Schicksal, sondern tritt mit ganzer Kraft dafür ein, es zu beschützen und sicher nach Hause zu bringen. Zuhause angekommen bemerkt sie nach kurzer Zeit, dass sie das „fremde“ Kind und ihre „eigenen“ Kinder nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Doch das ist für die Fuchsmutter gar nicht so schrecklich, wie eine Nachbarin der Füchsin meint, sondern bedeutungslos: „Ich habe alle vier gleich lieb, und darauf kommt es an.“

So greift die Geschichte die Themen Familie und Adoption, Verlust und Neuanfang, moralische Verantwortung, Akzeptanz und Vertrauen auf, ohne sie direkt zu benennen. Die sich entwickelnden Gefühle der Fuchsmutter stehen dabei im Vordergrund und machen deutlich, dass Annahme, Vertrauen und Respekt Voraussetzungen in der Begegnung mit etwas Fremdem sind. Und dass Nähe und Liebe entstehen können, wenn man Hilfsbereitschaft, Offenheit und Fürsorge zulässt. Die angesprochene Moral gegenüber anderen in Not zeigt sich vor allem in den Widerständen und Gefahren, die der Füchsin begegnen und die sie überwindet. Denn die Zuneigung und Verantwortung dem kleinen, fremden Fuchskind gegenüber lässt die Füchsin mutig werden, durchhalten und weitermachen, trotz aller Widrigkeiten. Ohne mahnend zu wirken macht die natürliche, fürsorgliche Reaktion der Fuchsmutter so deutlich, wie wichtig und wunderbar es sein kann, sich um andere zu kümmern.

Die liebevollen Illustrationen des Kinderbuches, das 1983 auf der Auswahlliste des deutschen Jugendliteraturpreises stand, sind in schwarz-weiß und Erdtönen gehalten und nehmen einen so mit in die beschriebene Szenerie des Waldes. Sie vermitteln durch ihre melancholische Wirkung den gefahrvollen Weg der Fuchsmutter, aber auch die Sehnsucht des Fuchskindes nach Wärme und Geborgenheit, die die Füchsin dem Jungen entgegenbringt.

Die Geschichte ist durch ihren unkomplizierten und klaren Sprachstil sowohl für kleine Kinder zum Vorlesen als auch prima fürs Ersltesen geeignet. Ein Tipp für den Leseanfang: Auch auf der Lernplattform „Antolin“ ist „Der Findefuchs“ vertreten, so dass Kinder dort Fragen zum Buch beantworten können und dadurch ihre Lesekompetenz gefördert werden kann.

Das Buch schafft durch die liebevoll gezeichneten Bilder und die herzerweichend schöne Geschichte eine wunderbare Grundlage für Kinder, sich damit auseinanderzusetzen, dass Familie mehr sein kann als Blutsverwandtschaft und dass Familie aus Fürsorge, Nähe und Liebe besteht, unabhängig vom Verwandtschaftsgrad. Liebe ist eben universell. Bedingungslos. Grenzenlos.

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