Regenwurmtage

Was macht man, wenn man tausend Fragen hat, weil man in die Schule kommt und alles so neu und ungewohnt ist? Wenn in einem ganz viel Erwartung, Vorfreude und Aufregung steckt? Man geht einen Schritt nach dem anderen und stellt vielleicht fest, dass vieles gar nicht so schlimm ist, wie gedacht, aber manches ganz anders als erhofft. So geht es auch Ida, der Hauptfigur aus Antje Damms Erzählung „Regenwurmtage“. Ida freut sich über ihren neuen Schulranzen, hat ihre neue Lehrerin direkt erkannt und sogar alleine das Klassenzimmer gefunden. Aber sie ist unsicher angesichts der vielen neuen Kinder in ihrer Klasse, die sie nicht kennt. Und wird dann auch noch neben einen Jungen gesetzt, neben dem sie auf keinen Fall sitzen wollte. Einen, der noch nicht mal selber den Weg gefunden hat…

„Regenwurmtage“ von Antje Damm. Erschienen 2011 im Moritz Verlag. 56 S., ab 7 Jahren.

Und was macht man, wenn gleich an dem ersten Tag nach der Einschulung auf dem Schulweg Regenwürmer gerettet werden müssen? Man rettet sie. Und kommt dadurch nicht nur prompt zu spät zur Schule, sondern erhält auch gleich den ersten Eintrag. Ebenso wie Ida. Doch Ida hat keine Mutter, die deswegen böse mit Ida ist, sondern eine, die mit Ida gleich mehr über Regenwürmer erfahren möchte. Und Ida hat keinen Sitznachbarn, den Jungen, der sie für das Zuspätkommen oder die Rettung der Regenwürmer auslacht, sondern einen, der ihre Aktion cool findet und beim nächsten Mal dabei sein will. Und ganz einfach und plötzlich Idas Freund ist.

„‚Cool, das mit den Würmern!‘, sagt er. Und er will ganz genau wissen, wieviele Ida gerettet hat. (…) ‚Darf ich das nächste mal mitmachen?‘, fragt Faruk. Ida nicht. Sie packt das Leberwurstbrot und die Apfelschnitze aus. Plötzlich hat sie richtigen Hunger!“

„Regenwurmtage“ (S. 34)

In leichtem und warmherzigen Ton sowie auch für Erstleser*innen gut verständlichem Stil erzählt Antje Damm humorvoll-ernst über Ängste, Regeln und typische erste Erfahrungen in den ersten Schultagen. Aber eben auch über Freundschaft, Engagement und dem Brechen von Regeln, wenn es einen wirklich wichtigen Grund dafür gibt, wie z.B. das Regenwürmerretten. Diese wunderbar einfühlsame Erzählung lebt von den erstklassigen Illustrationen und den feinen Details, die die Geschichte für Kinder am Anfang der Schulzeit so nachvollziehbar macht, weil sie sich in die Gefühle und Gedanken der Protagonistin hineinversetzen können. Wahrscheinlich, weil die Autorin in die Geschichte ein Stück Autobiografie eingebracht hat – die Regenwurmrettung und den Eintrag hat Antje Damm selber so zu ihrem Schulstart erlebt (was im Anhang auch tatsächlich dokumentiert ist ;-)).

Diese Erzählung, dieses Mädchen, das sich selber treu bleibt, hinterlässt einen starken Eindruck: Egal wie schwierig eine neue Situation ist, es ist gut den Mut zu haben, sie zu bewältigen. Das Verständnis und die Unterstützung von Freunde und Familie sind das allerwichtigste, vor allem in so neuen und ungewohnten Lebensabschnitten wie dem Schulstart. Und: Es ist wichtig, sich zu engagieren und die eigenen Ansichten zu vertreten. Ein Buch mit der Kraft, Mut zu machen und Selbstbewusstsein zu stärken!

Der einzige Wehmutstropfen: Wir hätten ja zu gern mehr über Ida, Faruk und die Regenwürmer erfahren. Vielleicht haben wir irgendwann nochmal die Chance dazu…

Warum hat uns diese Erzählung überzeugt?

  • Ob für den Schulstart,
  • im ersten Schuljahr
  • oder auch danach: Wir können dieses Buch für jedes (Schul)Kind nur aller wärmstens empfehlen!

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Rezension, selbst gekauft – Werbung, da Markennennung – Bildrechte: Moritz Verlag

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