Mit 12 Jahren steckt man manchmal schon tief drin in den anstrengenden Hochs und Tiefs der Gefühle. Dem Hin- und Hergerissensein zwischen der Kindheit und den noch kindlichen Beschäftigungen und der beginnenden Pubertät und den damit verbundenen Interessen. Der Unsicherheit, wer man eigentlich und wie man sein möchte. Und den Gedanken über das Leben, die Liebe und alles dazwischen. Genau diese Zerissenheit transportiert der Comicroman bzw. Tagebuchcomic „Regenbogentage“, dem Debüt von Nora Dåsnes als Autorin und Illustratorin, auf treffende und ganz nahbare Weise.

„Regenbogentage“ von Nora Dåsnes, aus dem Norwegischen übersetzt von Katharina Erben. Erschienen 2021 im Klett Kinderbuch Verlag. 256 S., ab 10 Jahre.

Tuva, die gerade in ein neues Schuljahr startet, hat Wünsche und Vorstellungen, die irgendwie nicht mehr so ganz zusammenpassen: Sie möchte mit ihren Freundinnen eine Hütte im Wald bauen wie früher und sich einen coolen Style zulegen. Und außerdem verlieben. Oder doch nicht? Denn es bilden sich neuerdings Gruppen, von denen Tuva nicht weiß, zu welcher sie dazu gehört. Oder dazu gehören möchte. Zu den Mädchen, die sich verlieben wollen oder zu denen, die dafür gar keinen Nerv haben?

Zwischen Kindheit und Pubertät.

Und plötzlich verändert sich alles, wenn die eine besten Freundin plötzlich einen Freund und keine Zeit mehr hat und die andere das total uncool findet. Als dann auch noch Mariam in Tuvas Leben tritt, die Neue in der Klasse, gerät Tuvas Gefühlswelt noch mehr aus den Fugen. Denn zwischen ihr und Mariam spürt sie etwas magisch. Etwas wie Seelenverwandtschaft. Und das ist nicht nur sehr schön, sondern auch ziemlich kompliziert.

In ihrem bunten Tagebuch schreibt Tuva über all das, was sie denkt und empfindet, erlebt und ausprobiert, so dass es ein Abbild ihrer Alltags- und Gefühlswelt ist. In einer Komposition aus verschiedenen illustratorischen Stilen und Textsorten wie Comics, Steckbriefen, großformatigen Illustrationen, Chat-Verläufen, Listen, Fließtexten, Skizzen, Randnotizen und Playlists wirkt Tuvas Tagebuch als Zeugnis einer Zeit im Leben, in der man irgendwo zwischen den Welten steht. Und dabei ist, sich neu zu orientieren und kennenzulernen.

Auf dem Weg, sich selbst kennenzulernen.

Genau aus diesem Grund ist dieses Buch so wertvoll für Heranwachsende: Es zeigt eine Phase im Leben auf, die jede*r erlebt und die ebenso chaotisch, bunt, widersprüchlich ist wie Tuvas Tagebuch und ihr Gefühlsleben. In welchem Tuvas alleinerziehender Vater, ihre Gefühle für ein Mädchen sowie Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben völlig selbstverständlich sind, ebenso wie in unser aller Lebenswelt, ohne dass diese Vielfalt extra hervorgehoben werden muss. Und in der sich auf der Suche nach der eigenen Identität verschiedene Themen, Probleme, Fragen miteinander vermischen und verweben, neu ordnen und gestalten, bis man, ebenso wie Tuva, irgendwann den Weg wieder klarer vor Augen hat.

Ein Tagebuchcomic mit Tiefgang.

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Danke, lieber Klett Kinderbuch Verlag, für das Rezensionsexemplar – Werbung (Markennennung), unbezahlt

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