Kinderredaktion: Rappel im Karton

Die Huskyklasse der Lessingschule (4a) stellt uns heute einen Schmöker vor, der von zwei ganz unterschiedlichen Protagonistinnen in verschiedenen Lebenssituationen erzählt und davon, wie die beiden nicht nur durch die gemeinsamen Erlebnisse zusammenwachsen:

“Das Buch „Rappel im Karton“ enthält eine Geschichte, die von einer Freundschaft zwischen zwei Mädchen, die in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen stehen: Nike kommt aus einer reichen Familie. Die Eltern arbeiten viel. Der Vater vermietet Häuser. Für Nike und ihren Bruder gibt es sogar ein Kindermädchen, das auf sie aufpasst. Zahra und ihre Mutter leben in einfachen (ärmeren) Verhältnissen. Sie haben nicht viel Geld und sind auf Wohnungssuche in Berlin. Genau in dieser Situation begegnen sich die beiden Mädchen.

Das Buch erzählt von dieser besonderen Freundschaft und worauf es dabei ankommt. Es gibt Höhen und Tiefen, Schwierigkeiten und schöne Momente… Als „Rappel“, eine Ratte, ins Spiel kommt, wird die Geschichte ganz schön aufregend. Nike schenkt ihrer neuen Freundin Zahra diese Ratte und die darf dann heimlich in Zahras Bettkasten leben. Aber das ist nur eins der vielen Geheimnisse dieser beiden Mädchen.

”Vor Nike stand ihr Vater. Warum schaute der so finster, und warum hatte er ein Tablet in der Hand? Er hielt es ihr wortlos hin. Nike verschluckte die restlichen Worte, die sie parat gehabt hatte. Da war ein Bild mit ziemlich vielen Likes, und darauf war ein Mädchen zu sehen, das Geige spielte. Auf einem Podest im Park. Mit ziemlich vielen Leuten rundherum. Eine Ratte saß auf ihrem Kopf. Verfluchte Paparazzi! Nike wollte wieder in ihr Zimmer, die Situation irgendwie unter Kontrolle bringen. Aber die des Vaters an ihren Schultern hinderten sie daran. „Du bleibst hier.“ „Die hab ihr mir nur ausgeliehen, die … Ratte!“ „Ach, und die Kerne und Haferflocken, die bei dir auf dem Boden lagen, hast du dir auch nur ausgeliehen?“ Oje, Nike hatte gedacht, sie hätte alles wieder eingesammelt. „Was hattest du überhaupt in dem Park verloren?“

Rappel im Karton, S. S.130-131

Von zwei Mädchen in ganz verschiedenen Lebenslagen …

Da der Schreibstil sehr natürlich ist, findet man schnell in das Buch hinein. Besonders spannend und lustig zugleich ist die Stelle, wo Nike direkt zu Beginn der Geschichte die Bewerbung für die Wohnung von Zahras Mutter fälscht und „besser“ macht. So kommt es, dass Zahra ganz in der Nähe von Nike in Berlin lebt.

Irgendwann im Buch geht die Ratte verloren und die Mädchen müssen sich auf die Suche danach machen. Überraschenderweise wird Rappel auch gefunden, aber insgesamt klingt es nicht sehr realistisch, weil die kleine Ratte sich ja bewegt, erkundet usw. Trotzdem ist es natürlich schön, dass die Geschichte mit Rappel weitergeht…

Unsere Lieblingsfigur ist Nike, in die man sich sehr gut hineinversetzen kann. Sie will ein „normales“ Leben, kein aufgesetztes mit vielen Plänen. Freiheit erleben durch die Freundschaft und Verlässlichkeit, sich einzusetzen für jemanden, den man mag, zu helfen und alles dafür zu tun. Eine Figur, die wir nicht so sehr mochten, ist das Kindermädchen, das nur auf seinen Vorteil bedacht ist. Sie handelt mit Nike ein paar Freiheiten aus, damit sie auch mal was für sich erleben kann. Aber sie kontrolliert Nike stark und schimpft mit ihr. Man fühlt insgesamt sehr mit Nike mit. Auch wenn Nikes Bruder Mo sie sehr mag, wirkt sie kühl.

Im Laufe der Geschichte verändern und entwickeln sich die Figuren. Nike ist hilfsbereit, übereifrig und teilweise übergriffig: Sie handelt sehr schnell und leider oft auch nicht richtig, sodass alles richtig kompliziert wird. Irgendwann kommt alles raus, was man vertuscht hat. So ist es auch in der Geschichte: Nike versucht – nachdem der ganze Schlamassel auffliegt – erst wegzulaufen. Schließlich bringt sie aber alles in Ordnung. Auch Zahra verändert sich, wird offener und lernt, besser mitzuteilen, wie sie sich fühlt und traut sich, ihre Probleme ihrer Mama anzuvertrauen (obwohl die genug eigene Probleme hat).

… und ihrer Freundschaft, mit der die beiden einiges an Veränderungen, Problemen und Erlebnissen überstehen.

Da der Schreibstil sehr natürlich ist, ist das Buch einfach zu lesen und man findet man schnell in die Geschichte hinein. Die wörtliche Rede macht die Geschichte lebendig und die Beschreibungen helfen, die Situation der beiden Mädchen genau zu erfassen. Manchmal kommen ein paar Wörter vor, die man nicht gleich kennt: z.B. Story, Secondhandklamotten oder Likes (aus dem Englischen), Sonate, Vermummung, unmissverständlich oder Prestigeobjekt. Manche Wörter z.B. Multifunktionswerkzeug werden in Klammern erklärt. Insgesamt ist die Geschichte so geschrieben, dass man sie gut verstehen kann. Die paar Wörter dazwischen fallen für den Verlauf der Geschichte nicht ins Gewicht.

Besonders spannend und lustig zugleich ist die Stelle, wo Nike direkt zu Beginn der Geschichte die Bewerbung für die Wohnung von Zahras Mutter fälscht und „besser“ macht. So kommt es, dass Zahra ganz in der Nähe von Nike in Berlin lebt. Über jedem Kapitel sind kleine Bilder, die neugierig machen und einladen, den nächsten Teil der Geschichte zu lesen. Die Bilder sind schwarz-weiß gezeichnet und passen richtig gut zur darauffolgenden Erzählung.

Im Buch kommen viele Themen vor: Freundschaft, Arbeitslosigkeit, Hilfsbereitschaft, Wohnungssuche, Tierliebe, Abenteuerlust, Musik, Unterschiede von arm und reich, Schule, Freizeit, Freiheit, Hobby, Alltag, Probleme, Versöhnung. Das macht das Buch besonders interessant. Dadurch, dass die Mädchen so verschieden sind, darf man in jede Lebenswelt hineinschauen. Dadurch wird eine Spannung aufgebaut, die durch die Interessen der beiden Kinder noch verstärkt werden. Freundschaft ist das zentrale Thema im Buch: Egal, wie unterschiedlich man auch ist, muss das nicht zwischen einer Freundschaft stehen, auch, wenn man sich manchmal über den anderen ärgert oder ihn nicht verstehen kann, warum er oder sie Dinge tut oder lässt… Wichtig ist, dass man immer wieder zueinander findet und zueinander hält.

Das Buch „Rappel im Karton“ ist großartig erzählt und spannend geschrieben und damit auf alle Fällt empfehlenswert. Ein bisschen interessanter ist es vielleicht für Mädchen als für Jungen, weil zwei Mädchen die Hauptrolle spielen. Kinder ab 9 oder 10 Jahren haben ein großes Lesevergnügen.”

Klasse 4a (Huskyklasse)

„Rappel im Karton“ von Mandy Schlundt. Erschienen 2023 im Verlag Fischer Sauerländer. 208 S., ab 10 Jahre.

Danke, lieber Verlag Fischer Sauerländer, für dieses schöne Rezensionsexemplar – Werbung (Markennennung), unbezahlt und unbeauftragt

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