Irgendwo ist immer Süden

Zuhause bleiben im Sommer – ein aktuelles Thema. Nicht nur seit der Corona-Pandemie gibt es Familie, die nicht in den Urlaub reisen möchten, sondern es einfach nicht können. Zeitliche, finanzielle, gesundheitliche, familiäre Probleme können einem Urlaub in der Ferne entgegenstehen. Und während manche Kinder mit ihren Eltern im Sommer verreisen, stehen andere vor der Herausforderung, nicht nur die Ferien in derselben Umgebung zu verbringen, sondern auch die Erzählungen und Bilder von schönen Urlaubszielen auszublenden und vielleicht sogar mit dem eigenen Scham und Neid zurecht zu kommen.

„Da sehe ich es. Vilmer hat ein Schild aufgehängt. Man kann fast nicht mehr erkennen, dass es mal eine Pizzaschachtel war. Er hat sie rund geschnitten. Zu einem perfekten Kreis. Mit roter Farbe hat er in großen, geschwungenen Buchstaben daraufgeschrieben: Willkommen im Süden.“

„Irgendwo ist immer Süden“, S. 103

„Irgendwo ist immer Süden“ von Marianne Kaurin, illustriert von Friederike Ablang, übersetzt von Franziska Hüther. Erschienen 2020 im Woow Books Verlag. 240 S., empfohlen ab 11 Jahren.

Zuhause bleiben kann auch schön sein, wenn man sich bereit ist darauf einzulassen. Und genau vor dieser Herausforderung steht die Protagonistin aus Marianne Kaurins sommerlichen Kinderroman „Irgendwo ist immer Süden“. Mit diesem Buch gelingt der Autorin eine fröhliche, leichte Sommerlektüre, die trotzdem ernste Themen nicht ausspart und über das Nichtgesagt wirkt, ohne zu moralisieren.

Die Protagonistin Ina, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird und die in einer neuen Klasse noch verzweifelt Anschluss sucht, steht nicht nur vor dem Problem, dass ihre alleinerziehende Mutter ihr keine Reise den Ferien ermöglichen kann, sondern auch vor ihren Mitschüler*innen nicht zugeben zu wollen, dass sie nicht wegfährt. Die Erfindung der Lüge, dass sie die Ferien im Süden verbringt, stellt sie vor die nächste Schwierigkeit: Nicht aufzufliegen. Durch einen neuen Mitschüler bekommt Ina eine ganz neu Perspektive aufgezeigt: Eine wunderbare Ferienzeit zu erleben – trotz der tristen Umgebung, den schwierigen Familienverhältnissen, der fehlenden Zugehörigkeit und Zuwendung. In ihrem eigenen „Süden“ erleben die beiden Außenseiter plötzlich eine neue Art der Zusammengehörigkeit und gegenseitigem Verständnis, so dass Ina in diesen Ferien nicht nur mit Hilfe der Fantasie ein wunderbares, sommerliches Abenteuer erlebt, ohne denn Wohnblock zu verlassen, sondern auch die Erfahrung von ersten Liebesgefühlen und der Bedeutung echter Freundschaft macht. Aus diesem Abenteuer wird Ina wieder in die Außenwelt hinauskatapultiert und mit ihrer Lüge sowie dem Wunsch nach Zugehörigkeit in der Klasse konfrontiert. Und muss sich plötzlich und einem schmerzlichen Prozess dafür entscheiden, was für sie zählt.

Kaurin verbindet in für Heranwachsende passender Sprache und Ton nicht nur gekonnt die leichte Heiterkeit einer Sommergeschichte mit den Schatten von familiären Problemen, Themen wie Neid, Lügen und Ausgrenzung sowie den unerfüllten Bedürfnissen von Kindern nach Zugehörigkeit und Zuwendung, sondern auch das Ausgesprochene mit dem, was zwischen den Zeilen steht. So gelingt der Autorin eine authentische, sensibel erzählte, sehr berührende Geschichte rund um Ehrlichkeit, Akzeptanz, Freundschaft und die Möglichkeiten, die in einem selber schlummern. Und stellt ganz nebenbei, ohne es nur einmal auszusprechen, die Frage nach dem, was wirklich wichtig ist. Passend in einer Zeit, in der viel über fehlende Freizeit- und Urlaubsmöglichkeiten gesprochen wird und dabei oft ausgeblendet wird, dass Äußerlichkeiten wenig zählen und stattdessen mit eigener Fantasie und Stärke und den richtigen Menschen an seiner Seite vieles möglich wird.

Warum hat uns dieser Kinderroman überzeugt?

  • Brilliantes Kinderbuch über Ehrlichkeit, Akzeptanz und Freundschaft
  • Ein Buch, dass ernsthafte Themen aufgreift, ohne sie direkt zu benennen oder zu moralisieren
  • und bei dem trotzdem die sommerliche Leichtigkeit beim Lesen nicht verloren geht

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Rezensionsexemplar – Werbung, da Markennennung – Bildrechte: Woow Books Verlag

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