Steffis Lese-Highlight: Eine wundervoll komisch-sarkastische Geschichte über Haustiere und wie sie zu sein haben. Oder eben auch nicht. Und während sich hier alle darüber einig waren, das Regeln nicht immer gut sind, haben wir ein wenig darüber diskutiert, ob wir die Hauptfigur mögen oder etwas komisch finden. Beim Elch waren wieder alle einer Meinung: Den haben alle fest ins Herz geschlossen!
Wilfreds Haustier ist ein Elch. Ja, richtig gehört: Ein echter Elch! Erst vor kurzem ist dieser Elch, dem Wilfred den Namen Marcel gegeben hat, zu ihm gekommen und ab diesem Zeitpunkt war Wilfred der Meinung:
“Dieser Elch gehört mir” von Oliver Jeffers, übersetzt aus dem Englischen Anna Schaub. NordSüd Verlag 2013. 32 S., ab 4 Jahre.
Dieser Elch will sich einfach nicht an Wilfreds Regeln halten.


Und wie es ich für ein Haustier gehört, soll Marcel alle Haustier-regeln lernen, die Wilfred ihm beibringt. Oder besser gesagt – versucht beizubringen. Denn während der Elch einige der Regeln brav befolgt (eher zufällig), gibt es wieder andere, die er komplett ignoriert. Wie z.B. diese hier:
“Da hingehen, wo Wilfred hingehen will.”
Zu allem Überfluss muss sich Wilfred im Verlauf der Geschichte fragen, ob der Elch tatsächlich ihm gehört. Und als er eines Tages alleine unterwegs in eine lebensgefährliche Situation gerät, stellt es sich sogar als ganz praktisch heraus, dass Wilfreds Haustier nur macht was er will und seinen ganz eigenen Kopf hat!
Der exzellente, trockene Humor, mit dem diese Geschichte geschrieben und illustriert ist, ist einer der Gründe, die das Buch für mich zu einem Lesehighlight macht. Denn eigentlich ist eines von Anfang an ziemlich deutlich: Der Elch gehört nur sich selbst, nur “sein” Mensch scheint das weder zu erkennen noch zu respektieren.
Ein Elch, der nur sich selbst gehört!


Die wirkungsstarken Illustrationen des Buches, die collageähnlich anmuten, gleichzeitig aber auch den Eindruck einer Fotografie vermitteln, zeigen Landschaften sowie Menschen und Tiere, die wiederum aufgrund ihrer dünnen Streichholzbeine und Riesenköpfe sowohl bizarr als auch lustig aussehen. So ist man bildlich wie textlich immer wieder am Schwanken: Zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, dem Nachdenken über die moralischen Tendenzen sowie dem Genuss einer frechen und leichten Geschichte. Und genau das macht das Buch zu einer interessanten, weil vielschichtigen Lektüre.
Ein Buch zum Schmunzeln, Nachdenken und miteinander ins Gespräch kommen. Nicht nur über Haustiere und unseren Umgang mit ihnen, sondern auch über Regeln, wer sie vorgibt und ob es immer so klug ist, alle zu befolgen! Hier geht’s um Freundschaft, Erwartungshaltungen, Eifersucht und Emanzipation, um Verletzung von Grenzen, Ignoranz, persönliche Freiheiten im Zusammenleben mit anderen und den Umgang mit der Natur: Ob man über andere bestimmen darf oder sollte, um die eigenen Vorstellungen wie etwas zu sein hat, um eigenständiges Denken, Handeln und Hinterfragen, um Abhängigkeit und (Selbst)Bestimmung. Das alles auf nur 32 S. und in einem minimalistisch formuliertem Text. Ein einfach geniales Buch und weit mehr als “nur” eines über Haustiere! Eben ein Lesehighlight!
Danke, lieber NordSüd Verlag, für dieses geniale Rezensionsexemplar – Werbung (Markennennung), unbezahlt und unbeauftragt
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