Adresse unbekannt

Ein ernstes Thema humorvoll, abenteuerlich und mit dem Thema gerechten Einfühlungsvermögen zu erzählen – das ist der kanadischen Autorin Susin Nielsen mit dem Jugendroman „Adresse unbekannt“ gelungen.

„Adresse unbekannt“ von Susin Nielsen und Leslie Mechanic (Illustrationen), übersetzt von Anja Herre. Erschienen 2021 im Urachhaus Verlag. 284 S., ab 11 Jahren.

Zunächst hört es sich für Felix spannend an: In einen alten VW-Bus ziehen, im Sommer durch Kanada reisen und das natürlich nur vorübergehend, wie Felix alleinerziehende Mutter Astrid betont. Ein richtiges Abenteuer, könnte man meinen. Doch aus diesem vorübergehenden Abenteuer wird eine Dauerlösung, denn Astrid schafft es nicht lange in einem Job zu bleiben, auch Freundschaften und Partnerschaften kann sie ebenso wenig dauerhaft halten und ist deshalb permanent pleite. Aus der Notlösung wird ein Dauerzustand und während Astrid mit Lügen versucht, beide über Wasser zu halten, macht sich Felix, der es hasst, wohnungslos zu sein, zunehmend Sorgen, denn der Winter steht vor der Tür. Mit Unterstützung seiner pfiffigen Freunde sucht Felix, überaus klug und erfindungsreich, einen Ausweg aus der prekären Situation.

Dieses Buch ist ein richtiges Leseerlebnis (übrigens nicht nur für junge Leser*innen), denn trotz des leichten Erzählstils, dem Witz und der Spannung vermittelt dieses Buch mit starker, nachwirkender Authentizität wie Felix unter der Unfähigkeit der Mutter, ihm stabile Verhältnisse zu bieten, und der Obdachlosigkeit leidet: Unter Hunger und den hygienischen Verhältnissen, den Lügen und Gaunereien der Mutter, die zunehmend depressiver wird, unter Scham, Wut und Angst.

„ ‚Du wirkst in letzter Zeit anders als sonst.‘ ‚Alles in Ordnung. Ich bin bloß krank.‘ Er betrachtete mich eine Weile eingehend. ‚Okay. Dann geh jetzt. Ab nach Hause.‘ Welches Zuhause?, hätte ich am liebsten geschrien.“

„Adresse unbekannt“ (S. 160)

Die Geschichte erzählt auch davon, wie Felix, eigentlich das Kind in dieser Situation, mit erstaunlich klarem Blick und vernünftigen Ideen, Lösungen für ein Problem sucht, für das eigentlich seine Mutter, als Erwachsene, verantwortlich wäre. Und das Buch handelt auch von hilfsbereiten Freunden, Familie und Zusammenhalt und gibt damit Hoffnung und die Aussicht auf gutes Ende.

Warum hat uns dieses Jugendbuch überzeugt?

  • Dieses tiefgehende Buch, dass in seinem Verlauf Felix Entwicklung nachvollzieht, sensibel und amüsant, unterhaltsam und eindringlich viele Facetten der Obdachlosigkeit von Kindern und Eltern beleuchtet, hat uns sehr beeindruckt und noch lange beschäftigt.
  • Kurz zusammengefasst: Lest es ganz unbedingt!
  • Ausgezeichnet mit dem Luchs des Monats von Radio Bremen und DIE ZEIT.
  • Preisträger beim Lesekompass 2021 der Bücher für 10-14jährige.
  • Nominiert für den Deutschen Literaturpreis 2021 im Bereich Kinderbuch.

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Rezensionsexemplar – Werbung (unbezahlt), Markennennung

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